Öffentliche Musikschulen richten klaren Appell an die Landespolitik
Musikalische Bildung jetzt nachhaltig absichern – Mitgliederversammlung des Landesverbandes verabschiedet einstimmig Forderungspapier zur Zukunft musikalischer Bildung in Niedersachsen
Peine/Hannover, 22. Juni 2026. Die Mitgliederversammlung des Landesverbandes niedersächsischer Musikschulen hat am 18. Juni 2026 in Peine einstimmig ein umfassendes Forderungspapier zur Zukunft der musikalischen Bildung in Niedersachsen verabschiedet. Unter dem Leitmotiv „Musikalische Bildung 2035 – jetzt die Weichen stellen!“ appellieren die 74 öffentlichen Musikschulen des Landes an die Landespolitik, im laufenden Aufstellungsverfahren für den Doppelhaushalt 2027/2028 die finanziellen und strukturellen Voraussetzungen für eine zukunftsfähige musikalische Bildung zu schaffen.
Im Mittelpunkt der Jahrestagung standen die Zukunftssicherung der öffentlichen Musikschulen, die Folgen des Fachkräftemangels, die Auswirkungen des Herrenberg-Urteils sowie die Rolle der Musikschulen beim Ausbau ganztägiger Bildungsangebote. Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wissenschaft, Kommunen und Musikverbänden diskutierten über die Herausforderungen musikalischer Bildung in Niedersachsen.
Besondere Aufmerksamkeit erhielt die Vorstellung der Ergebnisse der MIKADO-Musik-Studie. Sie zeigt, dass bundesweit bis 2035 rund 14.700 Musikschullehrkräfte aus dem Beruf ausscheiden werden, während lediglich etwa 4.000 qualifizierte Absolventinnen und Absolventen nachrücken. Die öffentlichen Musikschulen sehen deshalb dringenden politischen Handlungsbedarf bei der Fachkräftesicherung und der Stärkung musikpädagogischer Ausbildungswege.
In den Gesprächsrunden bestand breite Einigkeit darüber, dass das Berufsbild der Musikschullehrkraft dringend gestärkt und gesellschaftlich aufgewertet werden muss. Ziel sei es, mehr junge Menschen für den musikpädagogischen Beruf zu gewinnen. Die Tätigkeit dürfe nicht länger als „Plan B“, sondern müsse als attraktiver und anspruchsvoller „Plan A“ wahrgenommen werden. Dafür seien gemeinsame Anstrengungen von Hochschulen, Kommunen und Land erforderlich. Neben einer deutlichen Ausweitung der künstlerisch-pädagogischen Studienkapazitäten brauche es bessere Beschäftigungsbedingungen, verlässliche Berufsperspektiven und eine auskömmliche Finanzierung der öffentlichen Musikschulen.
Die Präsidentin des Landesverbandes niedersächsischer Musikschulen, Frauke Heiligenstadt MdB bringt es auf den Punkt:„Die Zukunft musikalischer Bildung entscheidet sich nicht allein in den Musikschulen. Sie entscheidet sich auch in den Hochschulen, in den Kommunen und in den Haushaltsberatungen des Landes. Wer mehr Fachkräfte gewinnen will, muss jetzt in Ausbildungskapazitäten, attraktive Beschäftigungsbedingungen und leistungsfähige Musikschulen investieren. Nur dann wird der Beruf der Musikschullehrkraft für junge Menschen zu einem echten Plan A“.
Mit dem verabschiedeten Forderungspapier richten die niedersächsischen Musikschulen fünf zentrale Anliegen an Landtag und Landesregierung:
- Anhebung der Landesförderung auf mindestens den Bundesdurchschnitt,
- verlässliche Beteiligung des Landes an den Mehrkosten infolge des Herrenberg-Urteils,
- Aufbau einer langfristigen Fachkräftestrategie für die musikalische Bildung,
- dauerhafte Absicherung von Programmen kultureller Teilhabe,
- realistische finanzielle Ausstattung musikalischer Bildungsangebote im Ganztag.
Die öffentlichen Musikschulen haben in den vergangenen Jahren ihre Strukturen weiterentwickelt und ihren Bildungsauftrag zuverlässig erfüllt. Gleichzeitig geraten die Träger zunehmend unter finanziellen Druck. Der Landesanteil an der Finanzierung öffentlicher Musikschulen liegt weiterhin deutlich unter dem Bundesdurchschnitt, während Kommunen und Eltern den überwiegenden Teil der Kosten tragen.
Die öffentlichen Musikschulen verstehen ihr Forderungspapier als Beitrag zu den bevorstehenden Haushaltsberatungen des Landes Niedersachsen. Ziel ist es, allen Kindern und Jugendlichen unabhängig von Wohnort und sozialer Herkunft auch künftig einen verlässlichen Zugang zu hochwertiger musikalischer Bildung zu ermöglichen.
Musikalische Bildung ist eine Investition in gesellschaftlichen Zusammenhalt, kulturelle Teilhabe und die Zukunft junger Menschen. Wer sie stärken will, muss jetzt die notwendigen politischen und finanziellen Voraussetzungen schaffen.
Kontakt
Landesverband niedersächsischer Musikschulen e.V.
Arnswaldtstr. 28 // 30159 Hannover // 0511-1 59 19
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