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Landesverband niedersächsischer
Musikschulen e.V.

Arnswaldtstraße 28
30159 Hannover

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Fax  0511 - 159 01
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Mittwoch, 24. Juni 2020, Landesverband niedersächsischer Musikschulen

„Was soll all diese Stille?“

Aufruf zur Demonstration für die Künste am 04.07.2020 von 13:30 bis 14:30 Uhr

Liebe Kolleginnen und Kollegen!

Es ist an der Zeit, den für (freiberufliche) Musiker*innen von der Politik verordneten perspektivlosen Zustand zu beenden.

Es ist nicht nachvollziehbar, warum uns Musiker*innen nicht zugetraut wird, kreative Formate zu finden, die den derzeitigen allgemeinen Sicherheitsbestimmungen entsprechen.

Es ist nicht nachvollziehbar, warum in einem Veranstaltungsraum nicht ähnliche Maßnahmen möglich sein sollen, wie in einem Kaufhaus, einem Eiscafé, einem Baumarkt, einem Biergarten o. ä.

Es ist nicht nachvollziehbar, warum in den künstlerischen Bereichen gerade jetzt auf Rentabilität geschaut wird. Auch die Öffnung beispielsweise der Gastronomie bedeutet lediglich eine Minimierung des Schadens. Ist die Kultur keine Schadensbegrenzung wert?

Es gibt Systeme, in denen künstlerisches Tun nicht systemrelevant ist. Das sind bekanntermaßen keine guten Systeme. Leider denken Musikerinnen und Musiker tatsächlich sehr häufig selbst, sie seien nicht wichtig. Das ist grundlegend falsch. Es ist richtig, dass Musik den physischen Hunger nicht stillt. Aber sie stillt den seelischen Hunger, der zugegebenermaßen äußerlich nicht so sehr weh tut, aber klammheimlich die Seele und den Geist zerstört. Und ganz nebenbei könnte sie helfen den derzeit psychisch wie wirtschaftlich anstrengenden Zustand besser zu verkraften, kreativer damit umzugehen.

Darüber hinaus sind wir eine eminente wirtschaftliche Macht! Noch-, denn wenn der komplette Lock-Down bzw. die komplette Nichtbeachtung so gedankenlos weiter geht, dann driften zigtausende freischaffende Künstler*innen in Hartz IV ab, ca. 20 000 privatwirtschaftlich-kulturelle Initiativen werden zerstört und der Gesellschaft gehen horrende Summen an Staatseinnahmen flöten. Die Kultur als Wirtschaftszweig erwirtschaftet jährlich über 100 Milliarden Euro BIP (nur
die Autoindustrie erwirtschaftet mehr). 21,4 Millionen Fußballfans pilgern jährlich in die Stadien, 34 Millionen zu Musikkonzerten und in die Theater, 114 Millionen in Museen. Ca 1,7 Millionen Menschen sind im Kultursektor beschäftigt.

Deshalb lasst uns die Menschen informieren, wie es um uns steht. Unsere Perspektivlosigkeit ist auch die Perspektivlosigkeit der Kunstliebhaber, das ist jenen vielleicht nicht so dringlich bewusst.

Wir planen am 4. Juli zwischen 13:30 und 14:30 Uhr das Stadtbild von Hannover zu verändern. Kleine Gruppen (bis max. 5 Personen, entsprechend der besonderen Versammlungs-Regelungen bezüglich Corona) positionieren sich an verschiedenen Orten in der ganzen Stadt - Orte, an denen sich Menschen Zeit lassen zu schauen. (siehe unten)

Entweder die Gruppen beschränken sich auf das präsentieren von Plakaten und Bannern, frei gestaltet mit Informationen, Statements, Bildern, Hilferufen etc. oder ihr beteiligt euch mit einer Performance: Beiträge, die sich mit dem Verstummen der künstlerischen Stimme auseinandersetzen - beispielsweise an einer verkehrsreichen Ecke mit Tonwolf spielen oder eine Aufführung von John Cages „4:33“. Ausdrücklich wollen wir nicht einfach kostenlos unsere Kunst darbieten!

Wenn ihr euch mit einer Performance beteiligen wollt, bitten wir um eine Anmeldung bis zum 01.07. an: wassollalldiesestille(at)gmail.com

Bitte schreibt uns mit was für einem Thema ihr euch beschäftigt und an welchem Ort ihr euch gerne positionieren wollt.

Um die verschiedenen Standorte koordinieren zu können und um für interessierte Passanten einen Stadtplan mit Markierungen an den entsprechenden Orten entwerfen zu können, ist diese Anmeldung wichtig.

Zusätzlichen zum Stadtplan als Wegweiser für eine performative Schnitzeljagd wird ein Flugblatt mit Informationen und Forderungen zum Verteilen zur Verfügung stehen.

Nun hoffen wir auf viele Teilnehmer*innen - leitet diesen Aufruf sehr gerne weiter! Wie immer gilt: je mehr, desto besser! Wir bitten auch alle „bestallten“ Musiker*innen dieses allgemein kulturelle Ansinnen zu unterstützen.

Mit herzlichen Grüßen,

Prof. Jutta Rübenacker
Tatjana Prelević
Lenka Župková
Anne Zauner

Orte:

1. Steintorplatz
2. Ernst-August-Platz
3. Opern-Platz
4. Marktkirche
5. vor Musikhochschule (Neues Haus )
6. Lister Platz
7. Weißekreuzplatz
8. Lutherkirche
9. Christuskirche
10.Vahrenwalder Platz
11.Lindener Marktplatz
12. Maschsee Nordufer / Ecke Sprengelmuseum
13. Neues Rathaus
14. Aegigientorplatz, Ecke Maschstraße (vor Theater am Aegi)
15. Wilhelm Busch Museum, Vorplatz
16. Küchengarten
17. Lister Turm, Ecke Hohenzollernstraße/Bernadotte-Allee
18. Ballhof
19. Landtag