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Mittwoch, 16. November 2016, Musikschule Nordhorn

Piano pianissimo

Ppp: pianopianissimo
– die Flüsterlautstärke, die der Musikkenner bei diesem Titel erwartet, wurde nur in den Spannungspausen erreicht, die sich in manchen der Stücke ergaben. Dafür waren die Werke, die die Klavierrepräsentanten der Musikschule Nordhorn zu Gehör brachten, zu lebendig und energiegeladen.
Mit einer bunten Mischung elegischer, feuriger und unterhaltsamer Musik zeigten die Pianisten, dass sie nicht nur „Einzelkämpfer“ sind, sondern sich auch zu kammermusikalischen oder gar sinfonischen Klängen zusammenraufen können.  Perfekt gleichschwingend eröffneten die Schülerinnen Constanzia Schumacher und Sophie Emmler das Konzert mit dem Walzer aus „Masquerade“ von Aram Chatschaturjan und begannen die leidenschaftliche Reise durch Klaviermusik für viele Hände mit einer schön stabilen, ausdrucksvollen vierhändigen Interpretation. Den Rest des Programms gestalteten Lehrkräfte der Musikschule: Inge Lulofs und Birgitta Klein Goldewijk spielten auf zwei Klavieren die folgenden drei Lieder – Arrangements von Greg Anderson – in einem Rutsch: „Glittering Sun“, eine Melodie des britischen Komponisten Thomas Arne entpuppte sich als spannendes Arrangement, bei dem sich aus einem pulsierenden Ton heraus die andächtige Melodie entwickelte, die die immer höher steigende Sonne nachvollziehen ließ. Innig und mit gesanglicher Melodieführung gestalteten die beiden Pädagoginnen „Mondnacht“ von
Robert Schumann und „An die Musik“ von Franz Schubert, mit erneutem Pulsieren untereinander eng verflochtenen Melodielinien.
Das erste Werk in der großen Besetzung mit den acht Händen von Scharareh Gross,
Birgitta Klein Goldewijk, Linda Moeken und Inge Lulofs erklang vor der Pause das „Capriccio Italien“ von Piotr I. Tschaikowski (arr. E. Langer). Nach der heroischen Einleitung, die eher spanisch als italienisch anmutete, folgte ein langsam schwingender Walzer mit fröhlich dahinpfeifender Melodie
und munter umherkugelnder Tonleitergarnierung, die bewundernswert  reibungslos auch auf mehrere Pianistinnen verteilt dahinperlte. Klanggewaltig und doch leicht führte der energische Springtanz über eine kurze Rückkehr zum Einleitungsduktus zu einer rasanten repetitiven Jagd über die Tasten, bevor verkürzte Wiederaufnahmen vom dichter gesetzten Walzer und Springtanz
zur voll konzentriert und drängend musizierten Stretta führten. Johannes Brahms‘ Sinfonie Nr. 3, 3. Satz Poco Allegretto folgte in anderer Anordnung derselben vier Pianistinnen. Sensibel und in großen Spannungsbögen musizierten die vier dieses melancholische, sehnsüchtige Stück, auch wenn die Intensität der Streichercrescendi naturgemäß auf einem Klavier schwer zu imitieren ist. Nun kündigte Musikschulleiter Hilmar Sundermann, der das ganze Konzert moderierte, den unterhaltsamen Teil des Abends an: Astor Piazollas Tango „Michelangelo 70“, zur gleichnamigen Kneipe in Buenos Aires, spielten Birgitta Klein Goldewijk und Linda Moeken mit Schwung und Humor zum Mitwippen und entlockten damit dem Publikum ein bewunderndes Raunen.
„Verslavische Dansen“, drei Tänze wie slawische, die süchtig machen könnten – so das Wortspiel des Komponisten Ivo Weijmans – spielten Erik Ekkelboom und Scharareh Gross. Geschrieben für ein Studentenkonzert entpuppten die Tänze sich als muntere Collage ganz unterschiedlicher bekannter Melodien mit spaßigen Regieanweisungen.  Kurz bevor der Ententanz in schwerfällig jazziger Manier daherwatschelte, schlief Scharareh Gross sogar fast am Klavier ein. Aber das Finale banale, eine lustige Jagd in immer höhere Lagen und Sollbruchstelle immer, wenn einer vom Hocker rutschte, hätte ewig so weitergehen können, wenn nicht doch einer in die überraschende Coda eingebogen wäre.
Den Schluss des offiziellen Programms bildete wieder Brahms mit drei  ungarischen Tänzen für acht Hände an zwei Klavieren. Diese durch viele Tempo- und Charakterwechsel schwierigen Stücke gestalteten die vier Interpretinnen sehr souverän und musikalisch intensiv ausdrucksvoll.
Als Zugabe nach einem Abend voll schönem lebendigem Miteinander-Musizieren
spielten alle teilnehmenden Lehrkräfte gemeinsam eine zehnhändige  energiebebende und rasante Version von Chatschaturjans „Säbeltanz“.

Autorin: Monica Neumann